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Zentrum Fünfbrunnen

Rue Massen 30–32, 9907 Fünfbrunnen

6.007698, 50.107024

Das abgelegene und im Jahr 1903 erbaute Kloster Fünfbrunnen, das als Wohnresidenz der katholischen Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester diente, wurde von den Nationalsozialisten 1941 beschlagnahmt und beschönigend als „Jüdisches Altersheim“ benutzt. Tatsächlich handelte es sich um ein zentrales Sammellager, von wo aus Deportation der in Luxemburg lebenden Juden in die Konzentrations- und Vernichtungslager stattfand. Der Plan für die Ausweisung aller noch in Luxemburg lebenden Juden wurde bereits im September 1940 geäußert, was eine massive Emigration der Luxemburger Juden von Anfang 1941 bis zum 15. Oktober 1941 bedingte. Es konnten aber nur diejenigen fliehen, die dafür die notwendigen Mittel besaßen, insbesondere Ausreisepapiere und Geld. Mitte 1941 verschlechterte sich die Situation für die noch verbliebenen Juden durch die Verordnung vom 29. Juli 1941, die Besuchs- und Ausgehverbote vorsah.
Das Konsistorium der Israelischen Kultusgemeinde Luxemburg erhielt Ende Juli die Anordnung, ein „Alters- und Siechenheim“ einzurichten. Das Konsistorium schlug vor, in der Hoffnung so den Abtransport der Juden zu vermeiden, das Gebäude des Klosters Fünfbrunnen dafür zu verwenden. Dieses befand sich ca. eine halbe Stunde Fußmarsch von Ulflingen (Troisvierges) entfernt. Es führten jedoch Bahngleise an dem Kloster vorbei, was der Gestapo und der Zivilverwaltung entgegenkam. Die Existenz des Internierungslagers wurde nicht explizit geheim gehalten.

Die Zahl der von 1941 bis 1943 in Fünfbrunnen internierten Juden lässt sich nicht genau ermitteln, da die Heimleiter keine Karteikarten geführt haben. Die Insassen wurden bei dem Einwohnermeldeamt der Gemeinde Asselborn, zu der das Kloster damals gehörte, gemeldet. Anhand dieser Karteien lassen sich 252 Namen ermitteln. Aufgrund der Auswertung von Transportlisten und Archivalien können noch 42 Namen von jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern hinzugefügt werden. Daher kann man schätzungsweise von einer Gesamtbelegung von 300 Personen ausgehen. 220 Juden wurden aus dem Kloster Fünfbrunnen deportiert, einige von ihnen nach nur wenigen Tagen Aufenthalt, was ebenfalls auf die Funktion des Klosters als Sammel- und Durchgangslager verweist.
Es wurden hauptsächlich ältere Personen in Fünfbrunnen untergebracht, deren Verwandte bereits ausgewandert oder deportiert worden waren. Viele von ihnen hatten auch gesundheitliche Probleme. Für ihren Lebensunterhalt mussten die Internierten selbst aufkommen. Wenn sie diesen nicht bestreiten konnten, musste ihn die Kultusgemeinde übernehmen. Der Alltag war von Hunger, Platzmangel, Krankheiten und im Winter auch von Kälte geprägt. Die letzte Deportation fand am 6. April 1943 statt. Danach wurde das „Jüdische Altersheim“ aufgelöst und stand bis September 1944 leer. Während der Ardennen-Offensive wurde das Altersheim in ein Lazarett für amerikanische Soldaten umgewandelt.
Das Kloster wurde ab 1954 wieder zum Wohnort der katholischen Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester. Am 6. Juli 1969 wurde das von dem luxemburgischen Künstler Lucien Wercollier entworfene Denkmal, das aus Granitblöcken des Steinbruchs des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof angefertigt wurde, eingeweiht. Die Initiative dazu geht auf die Vereinigung von luxemburgischen Auschwitz-Überlebenden („Amicale des rescapés d’Auschwitz“) zurück. Im Jahr 2005 wurde noch eine Informationstafel hinzugefügt, die Daten und Abbildungen zur Verfolgung der luxemburgischen Juden und zur Geschichte des Klosters als Sammellager zeigt. Jedes Jahr findet eine Gedenkfeier statt, die im Verlauf der Jahre eine immer festere Struktur erhalten hat und seit den 1990er Jahren einem Ritual gleicht, was zu einer starken Symbolisierung der Erinnerung führt. Im 2020 wurde das Kloster von der Stadt erworben, um dort eine Bildungsstätte zu errichten, was im Jahr 2022 geschehen ist. Das Kloster wird von „Service national de la jeunesse“ (SNJ) verwaltet. Das Zentrum fir politesch Bildung (ZpB) bietet pädagogische Aktivitäten rund um die Themen „Gedenken an die Opfer des Holocausts“, „Sensibilisierung für Antisemitismus und Rassismus“ und „Förderung von Demokratie und Menschenrechten“ an.